Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Nebenwirkungen –
Macht im Kunstsystem
Parallelausstellung zu "Die Physiker".

31.8., 1.9., 2.9., 3.9.2006, Stadtschloss Lichtenfels

 

Die Künstler

Guido Apel (Fotografien und Zeichnungen)
Britta Ender (Zeichnungen)
Michael Lankes (FIlm)
Eva Volk (Bilder)
Silvan Wagner (Gedichte)


Nebenwirkungen – Macht im Kunstsystem

Unsere diesjährige Ausstellung „Nebenwirkungen – Macht im Kunstsystem“ nimmt sich die autopoietische Dimension von Kunst – ihre Selbstthematisierung – vor: Autopoietisch ist der Blick des Betrachters, wenn er in einem Gedicht das Dichten, in einem Bild das Malen, in einer Photographie das Photographieren oder in einem Film das Filmen thematisiert findet und in seine Interpretation mit einbezieht, wenn das Kunstwerk also sich selbst als Kunstwerk beinhaltet. Folglich ist dieses Jahr unser Dachthema der Ausstellung, das die unterschiedlichen Exponate miteinander in Beziehung setzt, das Ausstellen von Kunst selbst, ihre Inszenierung im Rahmen eines Museumsraumes und die damit verbundenen Lenkungsmechanismen, die sich auf die Wahrnehmung von Kunst auswirken.
Eine Kunstausstellung manipuliert die Wahrnehmung ihrer Exponate grundsätzlich: Fänden Sie die „Mona Lisa“ auf einem Flohmarkt in Lichtenfels würden Sie vermuten, einen billigen Kunstdruck vor sich zu haben, wohingegen im Louvre kilometerlange Anlaufwege, eine aufgeregte Menschentraube, eine Absperrungsschranke, eine in die Wand eingelassene und mit Panzerglas abgeschlossene Ausstellungsnische und zumeist auch einen speziellen Wächter eine gleichsam heilige Scheu erzeugen, die auch die schlechteste Kopie als wertvollstes Gemälde der Welt erscheinen ließen.
Wir haben versucht, solche Mechanismen der Wahrnehmungslenkung durchsichtig zu machen, indem wir den einzelnen Kunstwerken Zusatzinformationen sehr unterschiedlicher Art zur Seite gestellt haben: Dies beginnt bereits bei dem Ausstellungsplan, der eine bestimmte Reihenfolge der Kunstbetrachtung nahe legt, setzt sich fort in den biographischen Informationen zu den einzelnen Künstlern und in konkreten Anweisungen zur Wahrnehmung einzelner Exponate und mündet in einem Audioguide, dessen Möglichkeiten der Manipulation sich buchstäblich direkt im Kopf des Rezipienten entfalten. Wir haben uns bemüht, genügend Irritationspunkte einzubauen, um der Manipulation weniger zu erliegen als sich von ihr zu Distanzieren und so ihre Wirkmechanismen wahrnehmen zu können.
Ziel unserer Ausstellung ist nicht ein hinters Licht Führen unseres Publikums – die recht dick aufgetragenen Verfremdungen werden Sie recht bald als solche erkennen können – sondern das Aufzeigen der manipulativen Ebene einer Kunstausstellung, die eine Wahrnehmung stets vereindeutigen, vereinfachen und damit auch verarmen. Können in einer Ausstellung dagegen nicht nur die Kunstwerke sondern auch die Art ihrer Inszenierung (kritisch) betrachtet werden, so kann der Genuss bei der Wahrnehmung von Kunst nur dadurch gewinnen, da diese Wahrnehmung nicht in den vorgefertigten Bahnen bleiben muss, sondern offen für innovative Wege wird.

Silvan Wagner

Foto und Zeichnung: Guido Apel