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Der Tod und das Mädchen
Ariel Dorfmann
30.8., 31.8., 6.9., 7.9. 2002, Stadtschloss Lichtenfels

„Der Tod und das Mädchen“ spielt in einem nicht näher bekannten Land (wahrschein-lich Chile), das nach einer langen Zeit der Diktatur wieder demokratisch regiert wird. In einem Haus am Meer treffen drei Personen aufeinander: Der Rechtsanwalt Gerardo ist gerade von der Regierung zum Vorsitzenden eines Ausschusses ernannt worden, der Folterungen während der Diktatur untersuchen soll. Paulina, seine Frau, ist ein Opfer dieser Folterungen gewesen. Rein zufällig bekommen sie Besuch von einem Dritten: dem Arzt Roberto Miranda, an dessen Stimme Paulina ihren Folterknecht zu erkennen meint. Gegen den Willen ihres Mannes überwältigt sie den Gast, fesselt und bedroht ihn mit einer Waffe, um dadurch ein vollständiges Geständnis von einem Mann, der sie damals quälte und vergewaltigte, zu erzwingen.

Mit dem Theaterstück „Der Tod und das Mädchen“ hat sich die Theatergruppe Bumerang einem sehr anspruchsvollen Drama gestellt. Der Dreiakter bietet keine großartigen und abwechslungsreichen Szenarien, keine heftigen Actionszenen, keine breite Besetzungsliste – keine Möglichkeit der drei Schauspieler, sich nur Sekunden zu „verstecken“. Zwei Stunden lang agierten die Darsteller unmittelbar vor dem Publikum in einem Drama, das bereits im ersten Akt seine äußere Handlung praktisch abgeschlossen hat und sich im Folgenden auf einer oberflächlich unspektakulären inneren Ebene weiterentwickelte. In der Regiearbeit genügte es nicht, das hauptsächliche Augenmerk auf korrekte Textwiedergabe und einen flüssigen Handlungsablauf zu legen; die Komplexität des Dramas verlangte von der ersten Probe an eine differenzierte und analytische Auseinandersetzung mit dem Text, da jede Textzeile mit dem Textganzen korrespondiert und wechselseitige Konsequenzen bewirkt.

„Der Tod und das Mädchen“ besitzt viele Ebenen, die streckenweise in Reinform zitiert wurden, sich aber auch überlagern konnten. Zu unterscheiden sind die Ebene der Politik, der Ehe und der Täter-Opfer-Beziehung. Jede Ebene beleuchtet jede Person des Stückes aus einer anderen Perspektive, bringt andere Charakterzüge zu Tage. So vertritt Gerardo auf der Ebene der Politik eine diametral andere Ansicht über eine gerechtfertigte Umgangsweise mit Dr. Miranda als auf der Ebene seiner Ehe mit Paulina; Paulina bewegt sich innerhalb der Ebenen ständig zwischen Unterordnung und Dominanz, und die Besetzung der Rollen auf der Täter-Opfer-Ebene ist vom zeitlichen Standpunkt und der individuellen Wahrheit abhängig.
Diese einander widersprechenden Tendenzen führen in der ausweglosen Situation nicht zusammen, sondern brechen eher noch weiter auseinander; eine Lösung – sollte es eine geben in dem Geflecht von Schuld und Unschuld, Willkür und Gerechtigkeit, das sich jeder eindeutigen Polarität sperrt – muss jenseits der Theaterschranken liegen.

Birgit Rupp

Besetzung
Paulina Salas Birgit Franz
Gerardo Escobar Jürgen Konrad
Roberto Miranda Silvan Wagner
Konzertpublikum Tamara Hussendörfer, Michael Lankes

Regie Silvan Wagner
Regieassistenz Tamara Hussendörfer
Bühnenbild Silvan Wagner
Maske/Kostüm Stefanie Steiner, Birgit Franz
Requisiten Jürgen Konrad
Technik Andreas Gagel
Musikkonzeption Silvan Wagner
Plakat Silvan Wagner
Programmheft Michael Lankes, Silvan Wagner
Artikel Silvan Wagner, Birgit Franz, Jürgen Konrad
Catering Birgit Franz
Umfeld Andrea Franz, Christian Müller, Christian Macion

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